Liebe Besucher, auf dieser Seite berichte ich von meinen Reisen und Erlebnissen in fernen, fremden Ländern

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1. Ein Bericht über Bosnien-Herzegowina

Ich bin immer schon ein Traveller gewesen. Bereits kurz nach der Schulzeit, mit nur ganz wenig Geld auf dem Reisepostsparbuch (das ich übrigens noch mit 1 DM Guthaben besitze) sind wir mit Rad losgefahren. Aber ich will in diesem Block nicht von der Jugendzeit berichten, sondern von meinen beruflichen Entwicklungshilfeeinsätzen in verschiedenen Ländern.

Die waren manchmal mehr und manchmal weniger erfolgreich, aber ich habe dabei kleine Einblicke in die jeweiligen Länder und deren Bewohner erhalten. Das war für mich lehr- und erkenntnisreich, aber hauptsächlich lag mir daran, mein berufliches Wissen zu vermitteln.

Mein allererster Einsatz für den SES, den Senior-Experten-Service, eine Deutsche Entwicklungshilfeorganisation, ging im Jahre 1999 nach Bosnien-Herzegowina.

Es war auch mein allererster längerer Flug, auch das war eine neue Erkenntnis. Ich meinte, im Flieger habe man sich chic anzuziehen und kaufte mir extra dafür allerhand neue Klamotten!! Hab schnell erkannt, dass man da mitfliegen kann, wie einem der Sinn steht. Aber das nur nebenbei.

Wir landeten in Sarajevo, der im Bürgerkrieg schwer umkämpften Hauptstadt, im Talkessel gelegen. Der Anflug erforderte vom Piloten besondere Aufmerksamkeit. Nach einer Übernachtung  ging es weiter ins Landesinnere, nach Klujc, einer kleinen Stadt, auf Deutsch >Schlüssel<wo sich eine kleine Werkstatt befand,  eingerichtet von einer Berliner Hilfsorganisation. Mit dem Auto fuhren wir in fünf Stunden durch ein Land, dem man noch die Zerstörungen durch den erst vor kurzen beendeten Bürgerkrieg ansah.

Emil war der Werkstattleiter, ein junger Mann, welcher im Krieg schwer verwundet worden war. Er war unterschenkelamputiert und ihm fehlte das rechte Auge. Man hat ihn in Deutschland vom Elektriker zum Orthopädie-Techniker umgeschult. Hier vor Ort sollte er jetzt seinen ebenfalls amputierten Landsleuten mit Prothesen wieder zum Laufen verhelfen. Das finde ich gut, denn ein selbst betroffener kann sich natürlich in die Problematik besonders gut hineindenken.

Ich sollte in diesem Ort die Einlagenversorgung optimieren. Auch Schuhzurichtungen wären sehr wichtig, um den vielen Kriegsverletzten mit einfachen Mitteln wieder ein einigermaßen effektives Gehen zu ermöglichen.

Der Ist-Zustand war, dass Emil eine veraltete Form der Einlagenanfertigung gelernt hatte; aus Metall.

Aber - leider waren dafür keine Handwerkszeuge und Maschinen vorhanden. So konnte ich mich mehr oder weniger nur auf Theorie beschränken. Angedachte Kontakte oder Konsultationen mit einer Klinik kamen nicht zustande, ebenso, dass einbestellte Kunden, denen mit den unzureichenden Mitteln Gehhilfen angepasst werden sollten, nicht erschienen.

Das war eine ganz neue Erkenntnis für mich, die ich jedoch in anderen Ländern später leider auch so vorfand. Ich glaube, auch daran krankt die effektive Entwicklung in Schwellen- oder Entwicklungsländern.

Ich erinnere mich an Murveta, eine geflüchtete Bosnierin aus dem serbischen Jugoslawien, die unbedingt mit mir nach Deutschland ausreisen wollte. Aber da konnte ich ihr nicht behilflich sein.

Mit dem beinamputierten Emil, über dessen deutschen Namen ich mich wunderte, unternahm ich eine Bergwanderung zu einer Burgruine, die hoch über dem Städchen trohnte, und bewunderte ihn, wie er mit gleichfalls durch den Bürgerkrieg geschädigten Freunden ein Hallen-Fußballturnier über die Runden brachte.

Bei meinen Rundgängen über den Markt, wo findige Händler unter freiem Himmel alles Mögliche an den Mann zu bringen versuchten, wollte ich einen mir sehr fotogen erscheinenden Popen fotografieren, was mir aber strikt von Emil verboten wurde. Kirchliche Würdenträger dürfe man nicht fotografieren!!!!

Der Aufenthalt hier inspirierte mich nach Jahren unter Anderem zu meinem Roman Auf der Flucht aus einem zerrütteten Land.

Was mich sehr betrübte war die Nachricht, als ich wieder zuhause war, dass der Steinmetz aus Sarajewo, in dessem Haus ich übernachtete und der uns in seinem neuen Audi nach Llujc gefahren hatte, verstorben sei. Er war doch noch so jung; ich vermute, dass er an einer Staublunge starb, weil seine Werkstatt nicht mit Absauganlagen ausgestattet war.

Ich hatte mir von diesem Steinmetz ein Reisemitbringsel mitgebracht, wusste aber nicht, dass es sich um eine von ihm gefertigte Steinurne handelte. Daher also die komischen Blicke seiner Frau, aber gesagt hatte sie nichts. Ein anderes Souvenir war eine zu einer Vase umgearbeitete Granate. Das hätte man schon vor dem Krieg machen sollen!

Dieser mein erster Einsatz für den SES brachte mir als Neuling doch die Erkenntnis, wie unsinnig Kriegshandlungen doch sind. Ich hatte zuvor kaum eine Ahnung davon, dass nach dem 2. Weltkrieg in einem europäischen Land wieder Mord- und Totschlag herrschen konnten, zwischen Volksgruppen, die unter Marschall Tito doch einträchtig zusammengelebt hatten.

Ich hatte mit Emil nur einmal noch telefonischen Kontakt, weiss also nicht, wie es mit der Werkstatt dort weitergegangen ist. Aber der Grundgedanke, den Menschen vor Ort zu helfen, unterstütze ich uneingeschränkt. Es ist für die Masse der Hilfsbedürftigen auf der Welt weitaus effektiver, als Flüchtlinge in die westlichen Länder einreisen zu lassen. Allerdings muss die Hilfe in manchen Fällen anders organisiert werden, als es derzeit praktiziert wird.

Schafft den Menschen in ihren Heimatländern Perspektiven, damit sie nicht auf gefährliche und oft tödlich endende Fluchtwege gehen. Wie man es mit Emil gemacht hat, war der richtige Weg: Ihn in Deutschland medizinisch versorgen, einen hilfreichen Beruf lernen lassen und dann in seinem Heimatland unterstützende Hilfe im Berufsalltag geben.

Ähnliches habe ich in Pakistan erlebt, dem Land, das ich im Jahre 2001 mit dem SES bereisen durfte. Darüber werde ich hier demnächst berichten. Es ist aber bereits jetzt unter der Rubrik Weite Welt ein Beitrag darüber enthalten.

Für heute Pause, bald gehts weiter

Im Juni 2019 erreichte mich eine Anfrage des SES, ob ich Interesse und Zeit hätte, einen Entwicklungshilfe-Einsatz in der Mongolei durchzuführen. Das hört sich gut an, das wäre ein weiteres Land, wo ich meine beruflichen Erfahrungen einbringen könnte.

Die Vorbereitungen ziehen sich sehr lange hin, denn im Juli/August sind in der Mongolei Ferien. Da ist niemand zu erreichen, aber ich komme mit meinen Vorbereitungen nicht voran.

Ich müsste die Zugfahrt nach Irkutsk und den Rückflug nach Ulan Bator buchen, auch Hotelaufenthalte, denn ich hatte mir überlegt, im Anschluss zu der Entwicklungshilfe noch einen kurzen Ausflug nach Russland zu machen. 

Mit der Transmongolischen Eisenbahn zu fahren, den Baikalsee sehen und die sibirische Metropole Irkutsk zu erleben - das ist ein Traum, den ich erleben möchte. Ich hoffe, hier viele tolle Bilder vorstellen zu können.

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