Die Kapitel

7  Arnold der Villenbesitzer
12 Der Gärtner
30 Die nächste Party
31 Rückblick
33 Der Trip auf dem Rasenmäher
38 Der Farbige
56 Sandra und Simone
64 Der Butler
75 Herr Dildo
86 Die Domina
120 Reisefieber
125 Auf nach Afrika
128 Auf Safari
153 Im Morgenland
165 In Schwarzafrika
188 Der Feuertanz
210 Tod eines Liebenden
221 Auf der Pirsch
255 Wüsteneinsamkeit
278 Am Kilimandscharo
360 Unter Massai
452 Ende gut, alles gut?
463 Epilog

 

Klappentext zu Die Villa

Judith und Arnold, vermögende Villenbesitzer, veranstalten in ihrem Besitztum Partys, wobei es gelegentlich recht freizügig zugeht.

  Irgendwann sind sie der Gelage aber überdrüssig und beschließen, getrennt Urlaub in exotischen Ländern zu machen. Arnold in den arabischen Emiraten, Judith in Tansania.

 

  Judith erlebt auf der Safari, die sie mit einer kleinen Gruppe vermögender Mitreisender durchführt, die Natur und Gefahren der Serengeti. Aus dem Tanganjikasee rettet sie ihr schwarzer Guide vor Krokodilen, sie  lernt einen Massai kennen und verliebt sich in seine ursprüngliche Lebensweise. Er ist Schamane, und da kommt ihr der Gedanke, ihn zu überzeugen, gegen die Genitalverstümmelungen junger Mädchen und die Übervölkerung Afrikas  zu kämpfen. Für ihre Mission reist sie von Stamm zu Stamm, wird geachtet, muss aber auch um ihr Leben fürchten, weil alte Stammesfürsten nicht von ihrem Glauben ablassen wollen.

                                                      *

 

Arnold erlebt tausend und eine Nacht im Harem eines Wüstenscheichs und muss um sein Überleben während eines Wüstensturms und nach dem Stich eines giftigen Skorpions fürchten.

In der Liwa-Oase wird er mit einer jungen „Wüstenblume“ vermählt und entgeht in der Hochzeitsnacht nur knapp ihrem Dolchstoss, weil Mira sich diesem in ihren Augen alten Mann nicht hingeben will.

Als sich während ihrer Schwangerschaft Komplikationen einstellen, hilft ihr der Schamane aus Tansania via Handydiagnose, die für Mutter und Kind eintretenden Gefahren durch vergiftetes Brunnenwasser zu überstehen.

 

464 spannende Seiten.

Leseprobe Seite 128-147 von 464

 

              Auf Safari

Bis Frankfurt hatte Arnold seine Afrikareisende begleitet. Dadurch lernte er die Teilnehmer dieser Jagd- und Bildungsreise kennen. Er ist überzeugt, dass es ein Trupp ist, der die zu erwartenden Strapazen, aber ebenso die eingeplanten Erholungstage nachhaltig erleben wird. Seine Frau ist Manns genug, die unausweichlich bevorstehenden Belastungen durchzustehen.
Der Flieger hebt von der Main-Metropole mit 1 Stopover in Kairo nach Dar- es- Salam in Tansania ab. Das ist die ehemalige Hauptstadt des Landes. Jetzt ist es Dodoma im Landesinneren. Die reine Reisezeit dauert geplante 16½ Stunden. Wie lange der Aufenthalt in Kairo betragen wird, ist freilich schwer vorauszusagen. Denn da herrscht Ausnahmezustand, weil immer wieder Terroristen ausländische Reisende bedrohen. Merken die Fanatiker nicht, dass sie mit ihrer Zerstörungswut nur ihrem eigenen Land schaden? Dass sie mit Terror nie ihre propagierten Ziele zu erreichen vermögen?
Natürlich buchte die Gruppe nicht Ökonomy-, nicht Business, sondern First class, wie es von reichen Leuten erwartet wird. Der Flug verspricht daher eine wohltuende Reise zu werden mit allen Annehmlichkeiten, welche die gehobene Kategorie zu bieten hat. Breite Gänge im Flieger, ausreichende Beinfreiheit zwischen den Sitzen, ein Liegeabteil mit Bad. Und exclusive Verpflegung, nicht so eine Billigabspeisung aus Plastikbehältern wie auf Economy. Die Stewardessen sind in der gehobenen Klasse im Besonderen zuvorkommend. Die Lufthansa weiß ihre betuchten Passagiere gut zu behandeln.
Morgens hat man mit Arnold noch das Frühstück genossen, ehe er sich zurück nach Hannover begab. Er hätte den Zug benutzen sollen, da wäre er nicht so zeitgebunden und müsste zum Einchecken nicht so frühzeitig auf dem Airport sein. Aber er hatte sich nun mal für das Fliegen entschieden.
Auf dem Zwischenstopp in Kairo ist zwar kein längerer Aufenthalt geplant, doch niemand vermag zu wissen, wie die Sicherheitsbehörden, auch bei Transitreisen, sich verhalten. Kairo kennen die Reisenden von früheren Destinationen, danach steht ihnen jetzt nicht der Sinn. In Dar-es-Salam sind die Betten gebucht.
Als erste Station in Afrika möchte man den ehemaligen Regierungssitz Tansanias kennenlernen. Es ist zwar eine vom Tourismus überlaufene Stadt, genau wie Kairo, aber doch wird man einige Eindrücke zur Einstimmung gewinnen. So hat die Gruppe sich abgesprochen. Standesgemäß wird man im Golden-Tulip- Hotel, nahe der Railway-Station, logieren. Es ist wie in Frankfurt ein 4-Sterne Haus, und es sind die besten, letzten Zimmer gebucht. Für 3 Nächte wird es sich aushalten lassen. Hoffentlich macht ihnen der Stopover in Ägypten keinen Strich durch die Rechnung.
Auf dem Weg nach Afrika – nicht nur Judiths kleine Gruppe – werden die Passagiere in einem Transitraum des Kairoer Flughafens unter Verschluss gehalten. Da kann man zwar Getränke, Rauchwaren, Snacks, Souvenirs und preisgünstige Goldringe und Ketten kaufen, aber man wird eben bis zum Weiterflug weggeschlossen. Nach solcherlei Reiseandenken steht Judith nicht der Sinn: Davon hat sie genug, und sie hätte auch stets darauf Obacht zu geben, dass ihr das auf der Safari nichts abhandenkommt. Vielleicht, wenn es zurück in die Heimat geht – aber das ist noch lang hin. Und dann ist möglicherweise ihre Geldbörse leer oder das Konto abgeräumt?
Entgegen aufgekommender Befürchtungen ist der Aufenthalt hier doch nicht so lange. Allerdings – mehr als drei Mußestunden vergingen, bis alle den Flieger wieder besetzten, sodass nach einer weiteren Flugzeit von 5 ¾ Stunden für 2.596 Meilen Dar in tiefer Dunkelheit erreicht wird.
Noch in der Nacht nehmen die Safarifreunde ein ausgiebiges Bad, um den Reisestaub loszuwerden und sich aufzuhübschen. Am nächsten Morgen wird man sich zum Dinner am Pool einfinden und relaxen.
Und noch in dieser Nacht stellte sich das erste Problem ein; Wegen nur drei zur Verfügung stehender Doppelzimmer. Eines davon belegt das Ehepaar Schwertfeger, ein Weiteres zwei der Singles-Männer, und das Dritte wird sich Judith mit einer männlichen Person zu teilen haben.
Für Judith ist es kein Problem, bei einem fremden Typen zu übernachten, doch denken die Dreibeiner ebenso liberal? Wer von den dreien soll es denn sein?
Man kommt überein, das Los entscheiden zu lassen, und das trifft eindeutig Erwin. Aber wer benutzt zuerst das Bad, sollte man die Betten auseinander schieben?
Die beiden Verlierer glotzen traurig drein. Das wäre doch ein super Start, bei dieser flotten Frau zu übernachten!
Aber was heute nicht ist, dürfte sich ja auf der wochenlangen Reise noch ergeben.
Am nächsten Morgen erscheint Judith reichlich mitgenommen am Frühstückstisch. Erwin war – zumindest in dieser Nacht – ein fürchterlicher Schnarcher. Seine Zimmergenossin hat kaum, obwohl sie durch den Flug völlig übermüdet war, im ersten Dunkel auf afrikanischem Boden ein Auge zubekommen. Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben, schwört sie sich. Und ihm.
Man wird sich zu überlegen haben, ob die Gruppe nach solchem Auftakt entweder mit der Bahn oder per Flieger  Dodoma, der Hauptstadt im Landesinneren, weiterreisen wird.
Nur einen kurzen Aufenthalt würde es in dieser Retortenstadt geben. Die wurde aufgrund amerikanischer Pläne erstellt und hat keine umwerfenden Sehenswürdigkeiten zu bieten. Weiter wird es sie dann nach Kigoma am Tanganjikasee ziehen, wo das Afrika-Abenteuer sodann real mit allen Konsequenzen beginnt. Alternativ käme Moshi an der Grenze zu Kenia infrage. Die Route ließe sich flexibel gestalten, doch einvernehmlich muss es schon sein.
In Frankfurt hat man sich ja nur flüchtig kennengelernt, der Flug wurde gemeinsam erlebt. Die intimen Charaktereigenschaften der Mitreisenden vermochte man in der kurzen Zeit natürlich noch nicht zu erkennen. Doch jetzt ist man in Afrika, und das Abenteuer steht vor der Tür.
Umsorgt wird die Gruppe vom zuvorkommenden Hotelpersona in Dar. Fleißige Boys schleppten das umfangreiche Gepäck auf die Zimmer, immer das Trinkgeld im Blick.
Die erste Nacht wurde, außer der Schnarchorgie von Erwin, ohne irgendwelche Probleme überstanden. Im Bad kommt man sich nicht in die Quere. Judiths Zimmergenosse hat von seinen Schnarchattacken keine Ahnung, als Frühaufsteher genießt er den Sonnenaufgang auf der Terrasse.
Später trifft man sich beim Breakfest. Das Frühstück ist typisch englisch: Egg und Ham. An das original afrikanische Essen wird man sich zu gewöhnen haben.
Die Gruppenmitglieder haben sich, außer Judith, die knatschig ist, nach der doch strapaziösen Anreise gut erholt, heute steht die einleitende Besichtigung Dar-es-Salams auf dem Programm.
Los geht es in aller Frühe, denn die Tageshitze möchte man lieber am Pool verbringen. Und für abends ist geplant, an einer Folkloredarbietung im Hotel teilzunehmen.
Dar-es-Salam ist eine Stadt mit derzeit etwa 4 Mio. Einwohnern, Tendenz steigend, und liegt an der Ostküste Afrikas am Indischen Ozean. Die Insel Sansibar gehört zu Tansania und ist der ehemaligen Hauptstadt vorgelagert. Die Innenstadt gibt sich fast europäisch, doch in den Randbezirken wird der Reisende, wie nahezu überall in Afrika, mit der Not in den Slums konfrontiert. Weshalb nur zieht es so viele Landbewohner bloß in die Städte? Es ist ein Irrglaube, dass es ihnen da besser ergeht. Man wird zum Tagelöhner oder kriminell. Selten, dass die Zugezogenen eine auskömmliche Arbeit finden.
 Es gibt noch einige Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit und nahezu menschenleere Strände, nur wenige Kilometer entfernt vom Stadtzentrum. Ansonsten ist die Metropole nur eine Zwischenstation zu den Nationalparks im Staat. Auch für die kleine Reisegruppe aus Deutschland gilt das. Aber dennoch möchte man sich die Gelegenheit, schon hier mit Land und Leuten in Kontakt zu kommen, nicht entgehen lassen. Doch wie in die Innenstadt gelangen? Eine Möglichkeit ist, mit den Daladala zu fahren. Das sind Sammeltaxis, die ohne feste Routen und Haltestellen den riesigen Verkehr bewältigen, aber eine Zumutung für unerfahrene Ausländer sind. Im Hotel riet man ihnen dringend von deren Benutzung ab. Dann schon eher, wenn man das wahre Leben kennenlernen will, mit den Bussen der Dar-es-Salaam-Transport-Company, Businessclass, klimatisiert und in denen Getränke und Zeitungen erhältlich sind. »Wir raten aber,« sagte der Hotelmanager in der Rezeption, »Privattaxis zu benutzen. Die Fahrer bringen Sie ohne Umwege hin, wonach es Ihnen gelüstet. Die könnten auch Geheimtipps verraten. Wir würden die Großraumtaxis vom Hotel aus bestellen. Am besten für den ganzen Tag, dann wird sich der Chauffeur Zeit nehmen. Und die Herrschaften bekommen allerhand zu sehen«.
Das leuchtet ein, und wenig später stand eine noble, überlange Karosse vor dem Hotelportal. Ein elegant gekleideter, bestresster, einheimischer Fahrer öffnete dienstbeflissen die Türen für die gut betuchten Europäer. Das scheint ein guter Tag zu werden, freut sich der Driver.
Nicht nur für den Taxifahrer, ebenso für die Touristen, denn ihr Stadtführer erwies sich als ein gut informierter Mann, der seine Fahrgäste in Ecken brachte, die sonst nie ein Ausländer zu sehen bekommt. In der Millionenstadt liegt Reichtum und Elend recht nah beieinander. Der Luxus verbirgt sich hinter hohen Mauern, die Misere ist für jeden sichtbar.
Es gab eine Menge zu erleben, und leidlich abgespannt kam man am späten Nachmittag wieder aus der Stadt zurück. Bei einem längeren Zooaufenthalt hat man sich dort einen Überblick über die afrikanische Tierwelt verschafft, die man auf der Safari in natura zu erleben hofft.
Heute Abend wird ein opulentes Diner genossen. Zwischen den Gängen kredenzt der beflissene tansanische Oberkellner südländischen Wein. Einen edlen Pinotage Alleè Bleue. Genau der Richtige, um die Gruppe auf die kommenden Wochen einzustimmen. Es wird nicht nur eine Flasche geköpft.
Die Stimmung steigt, weil alle durch ein erfrischendes Bad im Pool und die perlenden Tropfen bereits recht gelockert sind. Es wird ständig gelacht und Blödsinn verzapft.
Da meldet sich das Handy bei Judith.
»Na, alles gut gegangen, oder Problemchen mit deinen Leuten?«
»Nein, ganz und gar bestens. Haben vor kurzem ein Bad genossen, sitzen jetzt hier am Pool und genießen. Bist auch in Aufbruchstimmung?«
»Ja, so langsam, hab mich schon verabschiedet. Und du: allein in der Wanne gesessen?«
»Mann, bist du neschierig. Ich frag doch auch nicht, wie und bei wem du abgefeiert hast. Wenn ich nicht irre, geht dein Flug erst übermorgen.«
»Ja schon, aber sollte nicht auf dem letzten Drücker sein.«
»Na denn, Hals und Beinbruch, grüß mir den Sheigh unbekannterweise. Und dass du dich nicht zu sehr verausgabst! Von wegen Gastgeschenk.«
»Schöne Grüßle an deine Gruppe auch noch mal. Wir bleiben in Verbindung. Ciao.«
Weiteres war vorerst nicht zu berichten. Aber ob Judith auf der wochenlangen Safari immer zu erreichen sein wird? Man wird sehen.
Am zweiten Tag in Dar, wie die Millionenstadt meistens genannt wird, plant die Gruppe einen Badeausflug an den Sunrise-Beach am Indischen Ozean. Dazu hat es jedoch sehr früh loszugehen, denn man möchte den berühmten Sonnenaufgang am Meer miterleben. Deshalb ist die Nachtruhe nur kurz. Judith und Erwin, die unfreiwilligen Schlafgenossen, kommen sich nicht ins Gehege. Diese Nacht verzichtete er weitgehend aufs Schnarchen. Aber Judith hat nicht vergessen, dass er sie geärgert hat.
Man schaffte es, frühzeitig genug aufzustehen. Der Tagesanbruch ist wegen der Äquatornähe fast durchgängig gegen 6:30. Mit einer noch aus der Kolonialzeit stammenden, vorsintflutartigen Tram fährt man vor die Stadt, ans Meer. Es ist lange vor Sonnenaufgang, und die Bahn rumpelt auf maroden Schienen. Andere Touristen sind auch schon unterwegs, und Einheimische, die sich einen Job suchen. Mit so einer Straßenbahn zu pendeln, ist ein verdammtes Erlebnis. Die Strecke ist eingleisig, mit Ausweichstellen, und bei jedem Gleiswechsel hat der Fahrer auszusteigen, um die Weiche mit einer Eisenstange in Fahrtrichtung zu stellen.
Von aufschneidenden Spurwechseleinrichtungen hat man hier noch nichts gehört. Gelegentlich springt auch der Stromabnehmer vom Fahrdraht, und daher zieht sich die Fahrt recht lange hin. Dem Erwin macht das frühe Aufstehen keine Probleme, doch Judith wird durch das hin- und herschleudern in der Tram erst jetzt richtig wach.
Um diese Zeit ist der Morgen an der See erschreckend frisch, aber das wird sich bald ändern. Und es sind ja alles Naturliebhaber, die mit Wetterkapriolen fertig werden. Sonst hätten die Teilnehmer keine Safari gebucht.
Es hat sich gelohnt, so früh aus den Betten zu steigen. So schnell sie in diesen Breiten am Abend versinkt, so behände steigt sie am Morgen auch wieder in das Blau des Tages. Geschäftige Händler haben sich auf das Erscheinen von Touristen eingestellt; sie bieten Sonnenschirme, Liegen, Hautcremes und Verpflegung an, der Indische Ozean ist farbig wie der Himmel und angenehm temperiert. Und man kommt sich näher, alleine dadurch, dass man sich gegenseitig die Haut eincremt erste körperliche Kontakte, denn ein Sonnenbrand würde die Urlaubsfreude erheblich vermiesen. Die Gruppe erlebt einen wunderschönen afrikanischen Tag an der See. Ein herrlicher Auftakt des Afrikaerlebnisses. In den Liegestühlen dösend, bemerkt man fern am Horizont große Frachtschiffe, die vorübergleiten. Es wurden zwar Sonnenschirme aufgespannt, doch durch die Äquatornähe brennt die Sonne unbarmherzig. Fast etwas wehleidig verlässt man am Abend diesen herrlichen Strand, aber dann freut man sich auf das Dinner im Hotel. Da darf man gemütlich am Pool relaxen.
Für den dritten Tag in Dar-es-Salam hat man sich erneut den Taxifahrer gemietet. Gedacht ist, die Umgebung von Dar in Richtung Utete und Mohoro am Fluss Rifiji noch kennenlernen.
Die 200 Kilometer bis dahin sind mit dem komfortablen Fahrzeug schnell zurückgelegt. Die Gegend ist besonders fruchtbar, und daraus kommt die landwirtschaftliche Hauptversorgung von Dar. Einzigartig ist das Deltagebiet, das mit einem der weltweit größten Mangrovenwäldern besetzt ist. Der Driver scheint sehr belesen zu sein oder hat seine Kenntnisse über den Kolonialkrieg zwischen England und Deutschland auf einer hilfreichen Schule erhalten.
»Dear Passengers«,erklärte er, »umringt von den Inseln im Delta vor der Küste lag im Krieg von 1914/18, von den britischen Schiffen eingeschlossen, der deutsche Kreuzer Königsberg. Als ein Entkommen auf den Ozean unmöglich wurde, versenkte die Mannschaft das Kriegsschiff, nachdem die schweren Kanonen ausgebaut worden waren. Aber informativer dürfte für Sie sein, dass man in den Mangroven mit flachen Booten herumfahren kann. Ich würde sehr empfehlen, dass Sie sich diese Attraktion nicht entgehen lassen. Doch vielleicht interessiert Sie auch das Wildreservat Selous, das größte kontrollierte Wildschutzgebiet Afrikas. Es ist 50.000 km² groß und erstreckt sich über mehrere Distrikte Tansanias. Besonders für europäische Safarireisende ist das Klima bestens geeignet, denn das überwiegende Gebiet liegt in 200 bis 500 Meter Meereshöhe. Gelegentlich steigt es bis 1.200 m an. Es ist natürlich zu groß, um es ganz und gar zu erkunden, doch einen gewissen Einblick in die Tierwelt unseres Landes erhält man auch bei einem Kurzbesuch, weitaus besser, als in dem Zoo in Dar.«
Dieser Driver ist offenbar ein gewiefter Geschäftsmann. Er spekulierte wohl darauf, die wissbegierigen Deutschen zu weiteren Erkundungen seines Landes zu animieren. Schnell hatte er erkannt, dass es den Touristen an finanziellen Mitteln nicht mangelt.
Es war eine Überlegung wert, ob man die Mangrovenwälder, eventuell auch noch das Wildreservat, besuchen solle. Das wäre doch ein atemberaubender Einstieg in das Abenteuer Afrika!
»Bwana, können Sie uns denn einen Führer vermitteln, und wo bleiben Sie so lange?« fragte Marions Mann den Taxifahrer höflich.»Ich bin aus dieser Gegend, deshalb kenne ich mich aus, habe hier einige Freunde. Darunter sind auch Scouts, bei denen Sie übernachten könnten, denn die wenigen Hotels hier sind wahrscheinlich sämtlich besetzt. Wenn Sie erlauben, vermittle ich das.«
»Was meint ihr dazu, sollten wir uns diese Landschaften ansehen?« fragte er in die Runde. Judith ist sofort dafür, sie ist für alles Außergewöhnliche zu haben. »Ja,« fanden die anderen, »Mangrovenlandschaft im Delta, ok, aber wir kommen doch in die Serengeti, da bräuchten wir das Wildschutzgebiet Selous nicht zu besuchen, auch wenn es das Größte in Afrika ist«.
Man einigte sich darauf, eine ausgedehnte Bootstour durch die Wasserlandschaft zu unternehmen, was nicht ungefährlich ist. Aber die Gruppe ist ja immerhin auf Afrikatour, um Unbekanntes zu entdecken; es sind ja keine Weicheier.
Zwei mangrovenkundige Tansanier vom Stamm der Swahili boten sich an, die kleine Touristengruppe mit dem Ursprünglichen dieser Landschaft bekannt zu machen. Ihre Dhaus, seit Jahrhunderten benutzte Transportschiffe, von den arabischen Seefahrern hier eingeführt, waren aber kaum größer als die Boote, welche im deutschen Spreewald zum Einsatz kommen. Die Gesellschaft musste somit in jeweils zwei Dreiergruppen aufgeteilt werden. So würde man auch in den Hütten der Fischer übernachten. Am nächsten Morgen wird die Exkursion in das unübersichtliche Gebiet dann losgehen.
Mit Schilf gedeckte Rundhütten sind es, die nicht mit dem Auto, sondern nur auf Trampelpfaden zu erreichen sind. Der Taxifahrer bleibt als Wächter in seiner Luxuskarosse zurück, während sich die Fahrgäste auf ihr 2-tägiges Mangrovenabenteuer begeben.
Salzwasserkrokodile wird man da antreffen, aber keine Piranha, doch eine Vielzahl von anderen Fischarten. Zunächst jedoch wird man einen traditionellen Abend mit swahilischen Fischern verbringen. Diese wie in den vergangenen Jahrhunderten weiterhin vom Fischfang lebenden Menschen bekommen nicht oft Besucher aus dem Ausland, und wenn, dann fallen gelegentlich organisierte Reisegruppen in ihr Dorf ein. Nur durch die Vermittlung des Taxifahrers, des Drivers, der aus dieser Siedlung stammt, kamen sie jetzt in Kontakt zu Judith mit ihrer Safarigruppe.
Zwei Hütten wurden für die Übernachtung hergerichtet, und das ist die erste wirkliche Tuchfühlung mit Einheimischen unter deren Lebensumständen. Bisher nur einen gediegenen Hotelkomfort gewohnt, hat man sich jetzt an die naturgemäßen Gegebenheiten zu gewöhnen. Aber wer auf Abenteuer aus ist und die Menschen in ihrem vorgegebenen Umfeld erleben will, weiß das.
Die aus den Zweigen des Waldes ausschließlich von Frauen errichteten Rundhütten bieten keinen Komfort. Die Eingänge sind der Größe der Stammesangehörigen angepasst, und das heißt, die Deutschen haben sich zu krümmen, um ins Innere gelangen zu können. Auf dürftigen, nur mit Ziegenfellen bedeckten Holzgestellen werden sie die Nacht verbringen. Das ist geeignet für die Einstimmung auf kommende Erlebnisse.
Hier wird Judith mit Marion und ihrem Mann übernachten. Erwin, Judith`s Zimmergenosse im Hotel, verbringt mit Arnold und René die nächtlichen Stunden. Aber noch ist es nicht soweit. Die unverhoffte Zusammenkunft wird am Lagerfeuer, um das die meisten Dorfbewohner sich längst versammelt haben, mit einem traditionellen Willkommenstrunk eröffnet. Schnaps, gebraut aus getrocknetem Wassergetier der vor der Haustür liegenden Lagune. Dieses Gebräu ist eine Spezialität der hier lebenden Fischer, und je nach der verwendeten Fischart entwickelt sich ein spezieller Geschmack. Derartiges Lebenswasser ist für europäische Geschmacksnerven allerdings arg gewöhnungsbedürftig; selbst Judith, die doch eine Menge Alkoholika kennengelernt hat, treten Tränen in die Augen. Baraka, einer der zwei Begleiter auf der morgigen Tour und der Dorfälteste, bemerkt das mit Genugtuung.
»Geschmeckt, gut?«
Auch Judiths Reisegefährten werden die Seher tränenumspült. Fischschnaps, und dann noch so Hochprozentiger. Aber verweigern darf man sich nicht, man würde gegen die Gastfreundschaft verstoßen und ebenso als Weichei gelten. Es ist gleicherweise ein Test für die Reise durch die Mangroven. Kein 08/15 Trip, den man sich da vorgenommen hat.
»Jetzt man kann gut Fisch essen, Fisch erkennt gut Wetter in Bauch, will weiterschwimmen,« erklärt Baraka mit listigem Gesichtsausdruck. Judith bemerkt dieses Schelmische in den Gesichtszügen; zielt er auf Besonderes damit ab?
Es wurde ein gelungener Abend, und nach dem Verzehr einer Menge schmackhaft gegrillter Wasserbewohner und einem Abzocker, dem hochprozentigen Fischerschnaps, der sich jetzt aber weitaus angenehmer trinken ließ – oder war der nunmehr wasserverdünnt? - suchte jedermann seine Hütte auf. Morgen hat es vor Sonnenaufgang loszugehen, doch vermag man, so abgefüllt schnellen Schlaf finden?
Niemand hat damit gerechnet, selbst nicht die im Einklang mit der Natur lebenden Swahelischen Fischer, dass so unvermittelt ein Monsunsturm mit massiven Regenfällen aufkam. Ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit, nie jedoch völlig ausgeschlossen. In der Monsunzeit über dem Indischen Ozean durch tektonische Wärme gebildete Regenwolken ziehen ins Landinnere und regnen sich am Küstengebirge ab, im Normalfall. In dieser Nacht aber kam alles unverhofft als hundsgemeines Gewitter. Es blitzte und donnerte, gewaltige Regenmassen trommelten auf die Dächer der Hütten, der vor kurzem noch knochentrockene Dorfplatz, auf dem die Europäer bewirtet wurden, geriet zu einem See. Die Fischer waren das zu Monsunzeiten gewohnt, aber heute?
Wer vermochte bei diesem Inferno zu schlafen, und es schien so, als wenn die geplante Fahrt durch die Mangroven ausfallen müsste. Doch genauso unversehens, wie das Unwetter gekommen war, hat es sich wieder verzogen. Nur der Wasserstand im Mangrovenwald hat sich merklich erhöht. Nicht nur durch die Niederschläge, offenbar ebenso durch vom Ozean hereindringendes Wasser.
Als der neue Tag angebrochen war, noch im Dunkeln, versammelte man sich in der Dorfmitte. Übernächtigte, fragende Gesichter, vor allem der Deutschen, schauten in den Himmel, an dem letzte Wolkengebirge vorüberzogen. Man ahnte aber schon das sich, wie jeden Tag, neu zeigende Tagesgestirn. Abgesehen davon, dass die Erde durch Wasser getränkt ist, erinnerte kaum mehr etwas an das vergangene Unwetter.
»Baraka, können wir trotzdem in die Sümpfe und das Delta?«
»Ndiyo, ja, wir werden. Einerseits ist es zwar gefährlicher, weil die Krokodile sich im höheren Wasserstand unbemerkter anschleichen könnten, andererseits aber bleiben wir nicht so leicht an den Mangrovenwurzeln hängen. Wir müssen bloß noch besser acht geben auf die Mamba, die Echsen und Wasserschlangen, Nyokas, sind aktiver als gewöhnlich. Oder habt ihr Angst und mögt nicht mehr?«
»Klar, wir begehren, sind keine Feiglinge, beabsichtigen wir doch, am Tanganjikasee Menschenaffen und in der Serengeti Nyati, Simbas und Chuis mit der Kamera zu jagen,« klang es unisono zurück. »Dann los, die Zeit drängt.«
Nach einem improvisierten, schnellen Frühstück, das neben einem geschmacklosen Hirsebrei aus Fisch bestand, wurden die Boote besetzt, und wie die Gondoliere in Venedig stakten die Jäger in den nicht weit entfernt beginnenden Mangrovenwald.
Das richtige Abenteuer beginnt. Erst jetzt machte man sich Gedanken, wie wohl der Taxifahrer im Auto die Nacht überstanden hat.
»Als es besonders stürmisch tobte, ist er zu uns geflüchtet und hat in einer Hütte das Unwetter verbracht. Noch vor dem Morgengrauen ist er wieder zurück zum Auto. Allah hat gewaltigen Schaden von uns abgewendet.«
»Ihr betet zu Allah? Wir dachten, ihr glaubt an den großherzigen Gott Engai, der auf dem Vulkanberg wohnt?«
»Nein, wir nicht, unsere Urväter sind aus Arabien hier- hergekommen, und damals haben die Suaheli sich mit den arabischen Leuten hier verbündet und vermischt und sogar Sklavenhandel betrieben. Wir aber sind jetzt friedliche Fischer. Von uns braucht ihr nicht zu befürchten, als Sklaven verkauft zu werden–es sei denn, wir bekommen nicht den vereinbarten Lohn von euch,« lachten Baraka und Issa.
Heute zockelten die beiden Swahelis also nicht zum Fischefangen aufs Wasser, sondern mit den Europäern auf Wassersafari. Dadurch erzielten sie einen weit höheren Lohn, als durch das mit Netzen betriebene Fischen.
Langsam glitten die Boote, das eine im Kielwasser des anderen, nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen. Nicht der offene Indische Ozean lag vor ihnen, sondern das Baumgewirr der Mangrovenwälder, die sich im Delta des Rifiji-Flusses unendlich ausgebreitet haben. Der Rifiji ist ein ständig, auch in der Trockenzeit, Wasser führender Wasserlauf, fließt 600 km bis zur Mündung und entspringt dem Lake Eyasi, wo er zunächst Kisigo-River genannt wird, durcheilt fast ganz Tansania  und ist ab dem Zufluss des Great Ruaha erst der Rifiji-River. Die ungeheuren Mengen an Sedimenten aus dem Binnenland haben an der Küste zu der Deltabildung geführt.
Gemächlich, begleitet vom Singsang der Bootsführer, trieb man mit der sachten Strömung auf dem Hauptstrang Richtung Ozean, bis die Fischer dann in das Gewirr der Mangroven eintauchten. Wer sich da nicht auskennt, findet kaum wieder hinaus, so verzweigt sind die immer schmaler werdenden Wasserläufe. Und das ist der Lebensraum der Krokodile, die es in Mengen hier gibt. Deren Hauptspeise sind Fische. Als Jungkrokodile, bis zum Alter von etwa einem Jahr, ernähren sie sich von Fröschen, Libellen und Amphibien, nur zum unbeträchtlichen Teil von kleinen Zwiebelfischen. Ausgewachsen erreichen diese Räuber von der Gattung Nilkrokodil eine Länge von bis zu 4 Metern, wobei die Weibchen von wesentlich geringerer Größe sind. Mehr als 50% der Jungtiere überleben nicht das erste Lebensjahr, obwohl sie von den Muttertieren umsorgt werden. Sie sind eine bevorzugte Speise von Reihern, Waranen, gewichtigeren Fischen und Störchen.
Sind die Reptilien ausgewachsen, haben sie Appetit auf andere Tiere, Zebras, Antilopen, Stachelschweine, junge Flusspferde, Menschen und auch Raubtiere wie Hyänen oder Löwen, die sie an den Wasserstellen anspringen, ertränken und dann in Stücke zerreißen. Das alles erzählten die Swahelis den Deutschen und ergötzten sich an deren Angstgefühlen.
Und in der Tat: Schon jetzt sah man einige Exemplare, die sich in der mittlerweile wärmenden Sonne ausgestreckt hatten. Aber wenn sie nicht total ausgehungert sind, jagen sie vorwiegend in der Dunkelheit. Vor diesen Sonnenanbetern hat man sich also nicht zu fürchten, eher schon vor ausgewachsenen Waranen, die ein anderes Jagdverhalten haben.
Die schlichten Dhaus glitten nahezu lautlos dahin, ihren Singsang hatten die Fischer eingestellt und kontrollierten nebenbei einige ausgestellte Netze und Reusen auf Fangergebnisse.
Gelegentlich hatte man sich durch einen verworrenen Dschungel durchzuschlängeln, Lianen hingen von über das Wasser hinausragenden Baumästen herab, Seerosen, doch noch ohne Blüten, erschwerten eine Weiterfahrt. Knapp unter der Wasseroberfläche eines der Nebenarme vom Rifiji, der nicht tief, aber offenbar durch Moder unergründlich ist, zog pfeilschnell ein Lebewesen unterhalb des Bootes hinweg. Und da– Baraka wies die Traveller flüsternd darauf hin, erkannte man bei genauem Hinsehen die Nüstern und Augen eines Krokodils. Es hat den Anschein, als wäre es ein riesenhaftes Tier. Sollte das ein Riesenexemplar sein, das nahezu 100 Jahre alt werden kann, ist Gefahr im Verzug. Diese Urtiere haben im Laufe ihres langen Lebens eine Menge an Erfahrung gesammelt und sind in der Lage, eine Fischer-Dhau zum Kentern zu bringen. Was dann passieren würde, vermag man sich leicht auszumalen.
Wie soll man sich verhalten? Zurückstaken, oder abwarten, ob sich der Wegelagerer von selber verzieht? Die Swahili haben schon oft vor solchen Situationen gestanden, haben erlebt, wie derartige Panzertiere ihre Fischreusen belagern, um auf einfache Art an eine Mahlzeit zu kommen. Ausschlaggebend ist, erkennen zu können, ob dieser Vertreter hungrig oder gesättigt ist. Wenn Krokodile sich vollgefressen haben, vermögen sie wochenlang ohne neue Nahrung auszukommen. Daher: Abwarten, ob es sich verzieht. Aus sicherer Entfernung, so beschloss man, werden wir das Tier beobachten. »Wir verhalten uns still und bewegen die Boote nicht,« erklärte Baraka, »denn die Teufel reagieren nur auf Schwingungen. Sie vermögen nicht gut zu sehen, und das ist unsere Chance. Nicht ausgeschlossen, dass er sich nach einiger Zeit von selber verzieht.«
Judith erlebte dann aber mit ihrer Bande ein erregendes Schauspiel. Mangrovenwälder stehen ja nicht permanent unter Wasser, sondern nur im Wechsel der Gezeiten. Jetzt war der Zeitrahmen der Ebbe, die Wasseransammlung hatte sich weit zurückgezogen und ermöglichte auf festem Land lebenden Tieren, den Wald zu betreten. Offenbar rechnet das Krokodil damit, dass Stachel- oder Warzenschweine auftauchen werden, unter Umständen Reiher, die im feuchten Schlamm auf Nahrungssuche aus sind.
Tatsächlich erscheint eine Stachelschweinfamilie, um im Uferschlamm was Fressbares zu finden. Vor Schlangen brauchen sie sich kaum zu fürchten, doch vor Krokodilen haben sie achtsam zu sein. Plötzlich sind die Nüstern des Lauernden verschwunden, und lautlos, aber flink, schleicht es sich an die Familie heran. Da lässt ein Affe in den Baumkronen einen Warnruf hören, und die Stachelschweine zucken sofort zurück. Selbst Vögel lassen Warnungen ertönen; es ist, als wenn alle mit dem Krokodil verfeindet sind. Da erscheint eine weitere Panzerechse und stürzt sich auf die Erste. Offenbar hat Nr. 1 sich in das Revier der Zweiten eingeschlichen. Wie auch immer, der Kampf zwischen den Untieren bietet den still im Boot sitzenden Menschen ein bewegendes Schauspiel. Als eine Echse dann nach wütenden Angriffen der anderen vertrieben ist, sucht der Sieger wieder seinen Sonnenplatz auf. Der Weg ist frei für die Weiterfahrt.
Am Abend, als die Exkursion beendet war, hatte man einen faszinierenden Tag erlebt. Eine ursprüngliche Wasserwildnis, deren Ökowert anderswo durch Abholzungen und Scrimpszucht in arge Bedrängnis gerät.
Im luxuriösen Auto, nur mit einigen Dellen durch das urplötzliche Inferno verunziert, kam man wieder im Hotel in Daressalam an. Solle man neu auslosen, wer heute bei Judith im Zimmer schläft? Die Gesellschaft kam überein, es bei der bisherigen Regelung zu belassen.
Der nächste Tag sieht die Deutschen wieder in der Luft. Man überwindet die Strecke zur Hauptstadt Dodoma mit einem kurzen Inlandsflug. Das ist zeitsparender als mit dem Zug, den man auch hätte nehmen können. Geld spielt für die Leute keine Rolle. Aber die Relation der Preise von Zug zu Flugzeug ist doch gewaltig. Würde die Zugfahrt lediglich 13.460.00 TZS = 5 € kosten, sind es für den Flug 260 €. Dabei berappen Ausländer fast den dreifachen Betrag wie Einheimische. Aber den reichen Deutschen ist das egal. Gemessen am Gesamtaufwand der Reise sind das Ausgaben, die sie aus der Portokasse zahlen.
Die tansanische Hauptstadt ist nicht typisch afrikanisch. Es ist eine im amerikanischen Stil gebaute Stadt. Das passt hier eigentlich nicht recht hin, doch die Regierung will sich fortschrittlich zeigen. Einzig die Atmosphäre um den Kariakoo-Markt ist für Besucher der Hauptstadt sehenswert. Nur wenige alte Suaheli-Häuser aus der deutschen Kolonialzeit muten exotisch an.
Man wird sich darauf verständigen, wie die Gruppe von Dodoma nach Kigoma reisen will. Entweder auf einer abenteuerlichen Bahnfahrt oder erneut per Inlandflug. Von Kigoma dann optional mit einem Dampfboot, vielleicht, nicht ausgeschlossen, auch per Wasserflugzeug zu einer der zwei Lodges in Kasoje direkt am Tanganjikasee.
Man einigte sich, sogar gegen den Rat eines Guides, von Dodoma nach Kigoma mit dem Zug zu fahren. Nicht des Preises wegen, sondern, weil man auf der, allerdings anstrengenden Fahrt, unauslöschliche Eindrücke gewinnen wird, Erlebnisse wie aus vergangenen Zeiten. Den Reisebegleiter hat die Touristengruppe für den gesamten Aufenthalt gebucht. Es ist Dogo, ein Einheimischer.
In den Nationalparks werden zusätzliche Führer und Träger hinzukommen, welche die Gegend noch gründlicher kennen. Denn das Safari-Unternehmen ist wie eine kleine Expedition geplant.
Dodoma ist für Touristen wie Dar überwiegend meist nur eine Durchreisestation. Es zieht Reisende entweder zum Kilimandscharo oder in einen der riesigen Naturparks. Der bekannteste und größte ist der Serengeti, aber da tummeln sich Fremde vieler Nationen. Deshalb wollen die 6 Traveller zu Beginn in den Mahale-Mountains-Nationalpark. Dort kann man noch eine große Population Schimpansen erleben, die sich zwar an Menschen gewöhnt haben, allerdings nicht leicht aufzufinden sind. Es handelt sich ja nicht um einen Zoo. Sie zu Gesicht zu bekommen gelingt nur, wenn man ausgedehnte Tagestouren unternimmt. Außerdem erlebt man dann den Tanganjikasee, den zweitgrößten nach dem Viktorialake in Afrika.
Der erste Tag im Dodoma-Hotel klang in geselliger Runde auf den Terrassen der Anlage aus. Es ist schwül-heiß. Eine weitere Nacht mit dem nicht mehr ganz so fremden Erwin erwartet Judith. Man hat nicht erneut den Doppelzimmer-Partner ausgelost.   
Auch in diesem Hotel waren für die Gruppe nur drei Zweibettzimmer zu bekommen. Einzelzimmer gibt es keine, weil die meisten Touristen sowieso in Scharen reisen. Oder paarweise.
Die Tagestemperaturen kühlten sich gegen Abend nur unwesentlich ab. Dennoch ist der Ventilator ausgeschaltet. Man will vermeiden, sich durch den ständig zirkulierenden Luftstrom eine unangenehme Erkältung einzufangen. Um aber trotz gestauter Hitze schlafen zu können, legte Erwin sich auf eine Liege, die auf der Veranda bereitsteht, Judith nahezu unbekleidet ins Bett. Beschirmt wird sie durch eines der üblichen Moskitonetze.
Nach Mitternacht hat die Temperatur auf der Terrasse aber doch deutlich abgenommen. Deshalb kam Erwin ins Zimmer zurück. Ihn fröstelte. Bedingt durch den kaum erträglichen Wärmestau im Raum, wühlte Judith im Halbschlaf auf der Lagerstatt herum. Ihr leichtes Nachtgewand hatte sich dabei verschoben und gab ihren Körper fast völlig frei.
Das reizte Erwin. Er stand am Schlafplatz vor Judith und bekam eine mächtige Latte. Er ist ja auch nur ein Mann. Solle er sich dieses Weib nehmen, das ihm so unvermittelt präsentiert wird, und das wiederholt durch anzügliche Bemerkungen andeutete, dass es nicht jenseits von gut und böse ist, oder lieber brav sein und auf eine andere Gelegenheit warten? Sie würden ja noch lange zusammen sein.
Judith ist unversehens aufgewacht, gibt es jedoch nicht zu erkennen. Sie sieht mit Freuden aus den Augenwinkeln, wie ihr Bettnachbar sich sexuell erregt hat. Aber sie will sich nicht kompromittieren, denn obwohl sie auffälliges Verlangen nach einem stichbereiten Dolch hat, lässt sie Erwin zappeln. Sie dreht ihm ihre wohlgeformte Rückseite zu und heißt ihn mit seinem erigierten Attribut allein fertig zu werden. »Schade,« denkt ihr Bettnachbar, »das hätte gut gepasst.«

ISBN Printbook 978-3-748520-79-5
ebook                  978-3-748521-88-4
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